Kurzbeschreibung

Offener freiraumplanerischer Wettbewerb für das Neubaugebiet "Schelmenäcker" in Leinfelden-Echterdingen

Daten

Ausrichter:Stadt Leinfelden-Echterdingen
Ausführung:2017
Ort:Leinfelden

Erläuterungstext zum Wettbewerb

Ein großer Wettbewerb mit Schwerpunkt auf Landschaftsarchitektur direkt in unserer Nachbarschaft – eine Seltenheit! Wir haben natürlich mit viel Engagement und großer Begeisterung daran teilgenommen.
„Aus dem offenen freiraumplanerischen Wettbewerb für das neu geplante Gebiet Schelmenäcker erwartet die Stadt Leinfelden-Echterdingen Ideen und Konzepte zur inhaltlichen, funktionalen und gestalterischen Freiraumplanung folgender Bereiche: Quartiersplatz, Freianlagen Jugendhaus und Kindertagesstätte, Pausengärten für das angrenzende Gewerbegebiet, öffentliche Grünzone mit Fuß- und Radweg südlich der Wohnbebauung, Ausgleichsmaßnahmen Streuobstwiese, Konzept für ein Jugendhaus sowie eine Kindertagesstätte.“ (Auslobung der Stadt Leinfelden-Echterdingen, S.5/A.1)
An unseren Ideen und Entwürfen für diesen Wettbewerb möchten wir Sie hiermit teilhaben lassen…

Kann der Betrachter beim Blick auf ein einzelnes Stadtquartier und dessen Entwicklung den Fokus tatsächlich so eng ziehen, dass nur jenes Bruchstück der Stadt betrachtet wird? Vermutlich nicht.
Leinfelden-Echterdingen hat die Schwierigkeit, dass es kein einheitliches Zentrum gibt:
jeder der ursprünglich 5 nun zusammengefügten Stadtteile verfügt über eigene Zentren – wie willkürlich angesammelte Punkte oder Pixel auf einer Landkarte. Verbindende Elemente innerhalb oder unter den Stadtteilen sucht man nahezu vergebens.
Auch im Stadtteil Leinfelden, in dem das zu bearbeitende Wettbewerbsgebiet liegt, zeigt sich ein ähnliches Bild. Statt einem zentralen Kern gibt es aktuell zwei Zentren („Marktplatz“, „Neuer Markt“), mit dem „Quartiersplatz“ im neu angedachten Stadtteil Schelmenäcker soll ein weiteres Zentrum hinzukommen. Verträgt ein Stadtteil tatsächlich drei Plätze=Zentren, und wenn ja: wie kann ein neuer Platz beschaffen sein, um nicht in Konkurrenz zu treten, sondern zu ergänzen?

Bei näherer Untersuchung des Stadtquartiers und der Umgebung hat sich die fast schon strikte Orthogonalität der Straßen und Gebäudeausrichtungen, die auch in großen Teilen im bestehenden Teil Leinfeldens vorhanden sind, als gestalterisch dominantes Merkmal herauskristallisiert. Einzig der Verlauf des schienengeführten Verkehrs unterbricht diese Ordnung.
Der Konzeptansatz sieht eine Erweiterung der ohnehin vorhandenen orthogonalen Struktur vor:
Diese wird mittels eines Rasters von 5m x 5m über das gesamte Wettbewerbsgebiet gelegt und kann bei Bedarf auch darüber hinaus Verwendung finden. Durch diese Rasterung des Quartiers entstehen einzelne Pixel, wie sie auch innerhalb der Stadt(-teile) vorhanden sind. Die Pixelstruktur kann auch über das eigentliche Stadtteilquartier als Verbindungsglied zum Ortskern dienen. Durch Wiedererkennung von Strukturen (Pixelsystem, Stadtmöbel, Leitsysteme etc) wird man darauf aufmerksam, dass es auch noch jenseits der Bahnlinie etwas gibt… Das Konzept kann und soll auch dazu dienen, die einzelnen Zentren zu verbinden oder an speziellen anderen öffentlichen Punkten (Sportpark, Stadthalle, …) aufzutauchen und eine Identität mit der Stadt zu schaffen.
Durch Ausgestaltung der einzelnen Pixel sind sowohl klare Zonierungen wie auch sanfte Übergänge möglich, die es erlauben eine einfache Anpassung an die bestehende Peripherie zu schaffen und auch auf Veränderungen im Wandel der Zeit zu reagieren. Der Bedarf kann sogar Pixel für Pixel abgestimmt, verändert oder erweitert werden. Je nach Budget können einzelne Bereiche in adäquater Intensität ausgearbeitet werden, angepasst an die Bedürfnisse können Flächen auch nach und nach entwickelt werden – Die Freiraumgestaltung kann sich dem Fortschritt des Quartiers anpassen.
Nachhaltig zeigt sich dieses Konzept vor allem auch dadurch, dass Flächen bedarfsgerecht rückgebaut oder durch andere Ausgestaltung und Nutzung verändert werden können, ohne dass das Gesamtbild der freiraumplanerischen Struktur gestört oder beeinträchtigt wird. Mittels Ausgestaltung von Achsen und Kanten innerhalb der Pixelstruktur lassen sich klare Zonen definieren, die sich an den Rändern aber auch auflösen lassen, um Übergänge in andere Bereiche zu schaffen.
Die nötige Versiegelung der Flächen kann ebenso angepasst werden, wie die einzelne Ausgestaltung der Flächen – immer unter Berücksichtigung des aktuellen Bedarfs. Wirksamen Vielfachnutzen bieten in besonderem Maße geplante Solar-LED-Elemente, die sowohl als Bodenbelag, Pixel-Gestaltungselement und Orientierungsmerkmal gleichzeitig dienen, die tagsüber Energie sammeln und diese an Kita und Jugendhaus abgeben können und nachts den Quartiersplatz selbstversorgend und auf besondere Weise beleuchten.

Da es keine direkte Nachbarschaft gibt, kann der Quartiersplatz im Gegenzug zum Neuen Markt oder dem Marktplatz ein bewusst „lauter“, geselliger Platz sein. Eingekeilt zwischen der Max-Lang-Straße und den Bahngleisen sollen hier Konzerte, Feste und Events stattfinden, Jugendturniere, Open-Air Kino und vieles mehr; gleichzeitig dient er den Bewohnern Leinfeldens, den Pendlern und Angestellten der ansässigen Firmen als Fläche mit hoher Aufenthaltsqualität z.B. durch außergewöhnliche Stadtmöblierungen oder die Aufstellung von Streetfood-Wagen während der Mittagszeit.
Der Bereich des sogenannten Pausengartens ergänzt dies stimmig, indem er die Pausierenden an lange Mittagstafeln zum „gemeinsamen“ Speisen, zu mehr miteinander und Kommunikation einlädt.
Den Anwohnern soll die Möglichkeit gegeben werden, ihren Stadtteil mit zu entwickeln, indem bestimmte Bereiche gemeinschaftlich zum Gärtnern genutzt werden können (urban gardening/farming).

Die Struktur der Pixel lässt sich sowohl in der Freiraumplanung als auch in der Architektur unterschiedlich interpretieren, unendlich und nachhaltig fortsetzten…